Prolog
"Was
soll ich werden und was lässt man mich werden?
Lohnt es, dem Traum nachzueilen oder sollte man bescheidener
sein? "Ich würde gerne Psychologin werden
aber ich habe gehört, dass man an der Uni dann
viel Statistik macht und mit Zahlen habe ich es eher
nicht so; das meint zumindest mein Mathelehrer."
Darf man nach einem Traum streben oder sollte man
Realist sein und was bedeutet das im Einzelnen für
mich? Das ist alles nicht so einfach zu beantworten,
wichtig ist aber, dass man so früh wie möglich
mit dem Fragen beginnt.
Zwei
Berufspraktika gibt es bei uns an der Schule im gymnasialen
Bildungsgang. Beim ersten Praktikum
ist noch alles ganz aufregend, es ist der erste Kontakt
zur Arbeitswelt, von der man noch sehr weit entfernt
ist. Man kann etwas ausprobieren. Dies ist das Praktikum,
das vielleicht dem Traum noch näher ist. Mit
dem Oberstufenpraktikum rückt das Arbeitsleben
schon näher und mit diesem Arbeitsleben die Gewissheit,
dass man schon bald Entscheidungen von großer
Tragweite treffen muss und schlagartig rückt
etwas Lähmendes in das Bewusstsein. Angst. Es
ist die Angst vor der Notwendigkeit.
Zwei Jahre lang wurde auf das Abitur
hingearbeitet, eine Klausurenrunde jagte die nächste,
all die Prüfungen, die Bewertungen, das Punktezählen.
Hier und da gab es diese Parties, die kurz vergessen
ließen aber dann wurde es doch immer wieder
ernst und zu allem Überfluß soll man sich
auch noch Gedanken um die berufliche Zukunft machen.
Wo bleibt das Durchatmen?
Darüber
hinaus sind die Prognosen schlecht.
Alarmierende Arbeitslosenzahlen, selbst mit einem
akademischen Abschluss keine Garantie auf bezahlte
Arbeit, dafür unbezahlte Praktika, wie an der
Schule, wo ist die Weiterentwicklung? Kann man so
leben und wozu dann noch studieren? Kostet ja eh nur
Geld, wer kann sich das noch leisten, meinen Traum
leben? Träum weiter!
Ganz normale Gedanken, die man sich
macht, wenn mal so über über Zukunft ins
Grübeln gerät. Doch welche Schlussfolgerung
sollte man aus ihnen ableiten? Liegt es angesichts
vorhandener Unsicherheit nahe, nicht zu planen?
Einen
Plan zu machen, bedeutet nicht, hier und jetzt eine
Entscheidung für das weitere Leben zu treffen,
die unwiderruflich ist. Ich selbst
habe das Leben nie als eine Straße begriffen,
so wie die auf dem Bild oben, sondern als ein Schienennetz
mit vielen Weichen. Jede Weiche bedeutet einen richtungsweisenden
Impuls, den man ganz allein für sich selbst auslösen
sollte. Manchmal kommen sie auch von außen und
eines ist klar: man kann Fehler nicht ausschließen,
das Leben ist nicht frei von Reue aber vor der Weiche
stehen zu bleiben, kann unmöglich die richtige
Option sein. Das Leben geht weiter seinen Gang und
man sollte die größtmögliche Kontrolle
über dessen Verlauf gewinnen.
Bei
allem Mut zum Aktionismus. Eines liegt auf der Hand.
Man hat heute immer weniger Zeit dazu, sich auszuprobieren
und Wege zu testen, bevor man sie endgültig einschlägt.
Früher hatte man noch die Gelegenheit,
erst einmal ein Studium zu beginnen, weil einem nichts
Besseres einfiel. Dann, nach vierzehn Semstern Kunsthistorik
fiel einem immer noch nichts ein, weil man komplett
am Arbeitsmarkt vorbei studiert hatte. Da half nicht
das Auslandssemester in Florenz und auch nicht die
drei Fremdsprachen. Dann ging man nach Berlin, weil
man als arbeitsloser Feingeist dort im hippen Kreuzberg
in bester Gesellschaft lebte und so langsam war man
über 30 und schon bald war ein solches Leben
nicht mehr cool. Ärgerlicher wäre dies jedoch
gewesen, hätte man noch für vierzehn Semster
an der Universität Studiengebühren zahlen
müssen und daher ist heute mehr als gestern eine
sorgfältige Planung angeraten. Und auch Träume
kann man planen.

Die
Anfänge - Das Leben als Portfolio
Das man sich nicht mehr ausprobieren
kann, ist nicht uneingeschränkt richtig, nur
muss die Zeit des Ausprobierens früher begonnen
werden. Ich sage meinen Schülern mit dem Abschluss
des Betriebspraktikums in der 9. Klasse: Wenn es euch
gefallen hat, dann könnt ihr das ja jetzt immer
mal wieder in euren Ferien machen. Da schauen mich
viel weniger Schüler verdutzt an, als man glauben
möchte. Warum auch? Es hat den meisten wirklich
gefallen und wenn man sich einen interessanten Bereich
aussucht, so kann man so manche Ferien, in denen man
sonst nur abgehangen hätte, sinnvoll nutzen und
Erfahrungen sammeln.
Und mit diesen Erfahrungen wächst
und wächst euer Lebenslauf. Es gibt Menschen,
die haben sich dies während der Schulzeit und
im Studium regelrecht zum Sport gemacht und sich dabei
ihre Praktikumserfahrungen wie Quartettkarten gegeseitig
vor sich auf den Tisch geknallt. Mit jedem Praktikum
gibt es mehr Erfahrungen und mit den Erfahrungen erhöhen
sich die Chancen auf bessere Praktikumsstellen, auf
diese Stellen, die beliebt sind - bei der Zeitung,
beim Rundfunk, ... .
Man muss hier mitunter strategisch
vorgehen. Bevor man das erste Mal beim Hessichen Rundfunk
unterkommt, sollte man vielleicht zwei Mal beim lokalen
Tagesblatt in der Redaktion tätig gewesen sein.
Dies muss aber nicht so sein, weshalb man es freilich
auch beim ersten Mal auf eine Bewerbung ankommen lassen
kann.
Es entspricht meiner festen Überzeugung,
dass man seiner Jugend nicht den spielerischen Charme
nimmt, wenn man sich so früh wie möglich
einen Lebenslauf gestaltet und Spaß daran gewinnt,
diesen Schritt für Schritt zu optimieren: Berufserfahrungen
sammeln, Sprachen lernen, Computerkenntnisse erwerben,
soziale Kompetenzen aneignen, sich in Vereinen engagieren.
Der Ausgangspunkt dafür sollte euer Traum sein.
Stelle dir die Frage, was du wohl brauchst,
um deinem Traumjob Schritt für Schritt näher
zu kommen und werde dir darüber klar, welche
Erfahrungen du machen möchtest.

Praktische Tipps zur Bewerbung
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