Vom
Sinn der Facharbeit
Die
Facharbeit legt den Grundstein zum wissenenschaftlichen
Arbeiten, so, wie es an der Universität
praktiziert wird. Vereinfacht dargestellt meint wissenschaftliches
Arbeiten, dass man sich einem Problem bzw. einer Fragestellung
annimmt, die man mit einem eigenen verfassten Schriftwerk,
das eine plausible
und logische Gedankenführung
erkennen lassen soll, versucht zu klären.
Meist ist man mit
diesem Versuch nicht allein. Neben euch haben sich
schon andere mehr oder weniger kluge Geister mit dieser
Frage befasst. Für euch ist das vorteilhaft,
denn ihr dürft euch deren Wissen zu eigen machen
und eure Arbeit mit ihren Federn schmücken. Es
ist, als säßet ihr mit all diesen Geistern
zusammen und würdet mit ihnen über die gewählte
Fragestellung diskutieren. Ihr könnt ihnen zustimmen
oder ihre Meinungen zurückweisen, sie können
eure eigenen Gedanken vorwärts bringen oder sie
beenden aber eines solltet ihr immer beachten: Ihr
müsst das fremde
Gedankengut kenntlich machen, auf
das ihr euch bezieht. Dies ist ein ganz zentraler
Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit.
Ganz unmissverständlich
könnte man hier also sagen: Es ist erlaubt, zu
klauen oder sagen wir besser, es zu borgen, doch ihr
müsst angeben, von wem ihr es habt. Das gilt
für euch und eure Facharbeit, wie auch für
den Doktoranden der Quantenphysik.
Eure
Facharbeit reiht sich folglich ein in den Kontext
einer groß angelegten Diskussion über
eine Frage, die eine gewisse Bedeutung haben sollte.
(Ist die Frage unbedeutend, d.h. sie interessiert
im Grunde niemanden oder deren Beantwortung ist allzu
naheliegend, so lohnt eine Diskussion schließlich
auch nicht) Das Herangehen über eine Fragestellung
ist der optimale Weg. Gibt es keine konkrete Frage,
so kann die Arbeit auch den Sinn einer kleinen Einführung
erfüllen. Die breiter angelegte Frage wäre
hier: Was kann man alles zu diesem Thema sagen, um
einen Überblick zu schaffen?
Vielleicht mag euch
dies nicht so recht einleuchten, doch eure
Arbeit hat durchaus eine Bedeutung.
Sie ist durch die Querverbindungen, die ihr schafft,
ein Teil unserer vernetzten Wissensgesellschaft. Stünde
eure Arbeit im Internet und wäre so für
alle zugänglich, so würde euch dieser Gedankengang
sicher überzeugen.
Der
erste Schritt: Ein Thema finden und Fragen entwickeln
Die Facharbeit verlangt
nach einem Thema, das
im Lehrplan zu finden ist. Dies mag
dem einen ein Grauen sein, für den anderen eine
Erleichterung, denn so ist schon einmal ein gewisses
Repertoire an Ideen vorgegeben. Der Grauen-Fraktion
sei beruhigend gesagt: Es gibt auch in einem wenig
attraktiv klingenden Themengebiet bestimmte Inhalte
und Fragen, die sich als spannend erweisen können.
[Für
die Jahrgangsstufe 12 gilt hier: Es
sollte ein Thema sein, das eine geistige Nähe
zu eurem Praktikumsplatz und gleichsam einen sozialwissenschaftlichen
Bezug hat, d.h. es sollte im weitesten Sinne im Fach
PoWi zu verorten sein!]
Ihr solltet euch zu
Beginn von eurem Fachlehrer die Inhalte des Lehrplanes
geben lassen. Schaut aufmerksam und frei von vorschnellen
Urteilen darüber. Vielleicht ergeben sich hier
schon Fragen, vielleicht aber auch erst später.
Hierzu ein Beispiel:
Im PoWi-Unterricht
steht das Thema "Ökonomie und Ökologie"
an. Zur Ökologie gehören die Umweltprobleme
unserer Zeit und dazu beispielsweise die globalen
Klimaveränderungen. Dies ist ein Thema, das gegenwärtig
breit diskutiert wird und wie ich oben schon gesagt
habe: Wo viel diskutiert wird, da sind offene Fragen
von großer Bedeutung. Die werdet ihr wahrscheinlich
nicht endgültig klären können aber
ihr könnt euren Beitrag zum öffentlichen
Diskurs leisten.
Wie schon angedeutet,
könnt ihr nun entweder einen groben
Abriss über den durch Menschenhand
verursachten Klimawandel geben oder aber ihr konzentriert
euch auf einen Teilaspekt. Eines müsst
ihr euch hier ganz deutlich bewusst machen:
Beim
groben Abriss verbieten sich allzu
detaillierte Betrachtungen, ihr dürft euch nicht
in Kleinkram verlieren, sondern müsst eine Perspektive
wahren, die aus einer gewissen Distanz die Oberfläche
abtastet. Je höher ihr dabei steht, desto mehr
und umfassender und vollständiger nehmt ihr die
Dinge war - dafür aber nicht so genau. Die
Forderung einer solchen Betrachtung ist die Ganzheit.
Beim
Teilaspekt "zoomt" ihr hinein
in das Bild. Ihr nehmt nicht mehr das ganze Gebilde
wahr, nicht mehr die äußeren Konturen,
dafür aber die kleinen Feinheiten im Inneren
des Bildes. Das äußere Ganze wird nur angedeutet
aber nicht genauer ausgeführt, denn dazu ist
der eher geringe Rahmen der Facharbeit mit ihren zehn
Seiten nicht geeignet. Die
Forderungen einer solchen Betrachtung ist die Genauigkeit.
Wie findet man einen geeigneten
Teilaspekt und wie entwickelt man Fragen?
In der Politik, um
bei diesem Beispiel zu bleiben, gibt es Probleme,
die zu lösen sind. Es gibt also einen Ist-Zustand,
einen angestrebten Soll-Zustand und offene Fragen
auf dem Weg, der von dem einen zu dem anderen Zustand
führt.
Hier fragt man dann
nach der Art des Problems, nach den Ursachen und Konsequenzen
und immer auch danach, wer an der Ursache beteiligt
oder von den Konseqeuenzen betroffen ist.
Man fragt aber auch
nach den Akteuren, die es zur Lösung des Problems
braucht oder nach denen, die die Lösung des Problems
aufgrund ganz eigener Interessen verhindern wollen.
"Interessen" ist im Übrigen das nächste
wichtige Stichwort: Wer will hier was und warum und
welche Macht steht ihm hierzu zur Verfügung?
Kommen wir in diesem Zusammenhang
mal zurück zu dem Beispiel:
Da haben wir also
den globalen Klimawandel. Eine Triebfeder ist natürlich
der Treibhauseffekt. Nicht der natürliche, sondern
der, den die Menschen durch die Verbrennung fossiler
Brennstoffe vorantreiben. Dies wird zu einem Problem,
denn der Treibhauseffekt hat dramatische Auswirkungen
auf unser globales Klima und die menschliche Existenz.
Wenn ihr dieses Thema
in einem groben Abriss
behandeln wollt, so könnt ihr nun den Treibhauseffekt
und die Verursacher als Ursache erklären, die
Auswirkungen möglichst umfassend darstellen und
als Fazit eine Prognose wagen, die ihr mit einer eigenen
Haltung verbindet.
Wollt ihr es auf einen
Teilaspekt
ankommen lassen, so müsst ihr nun in die Materie
eintauchen (so, wie ihr es bei der Vorbereitung des
groben Abriss natürlich auch müsst) und
dann bei einem bestimmten Punkt, der euch interessiert,
stoppen.
Ich
mache es mal vor. Kommt mal mit! Nun,
nehmen wir einmal an, ihr habt euch angelesen, was
der Treibhauseffekt ist und welche Faktoren diesen
auslösen. Ihr habt gelesen, wer schädliche
Treibhausgase ausstößt. Ihr seid dann zu
dem Schluss gekommen, dass die Lage bedrohlich ist
und dass Handlungsbedarf besteht. Handeln heißt,
dass man die Dinge regeln muss. Auf der Internetseite
einer Umweltschutzorganisation habt ihr von den klimaschädlichen
Auswirkungen des sich stetig ausweitenden Flugverkehrs
gelesen und der Frage, warum man Kerosin subventioniert,
Billigflieger unterstützt und so das Umweltproblem
immer dramatischer wird. Es gibt Befürworter
für eine Kerosinbesteuerung. Flugbenzin muss
besteuert werden, damit man mit den Einnahmen für
die Klimaschäden aufkommen kann. Dennoch ist
diese Steuer noch immer nicht erhoben. Hier
werdet ihr auf einmal stutzig und fragt euch: Warum
eigentlich nicht?
Das könnte eure
Frage sein und mit dieser Frage ist die übergeordnete
Frage verbunden, so wie es weiter oben von mir angedeutet
wurde: Welche Akteure stehen sich hinsichtlich ihrer
Interessen bei der Lösung des Klimaproblems,
bzw. der hohen klimatischen Belastung durch den gestiegenen
Luftverkehr durch eine Kerosinsteuer gegenüber
und welche Argumente liefern sie? Das ist ein idealer
Aufhänger für eine solche Arbeit und auf
jeden Fall ist dies ein interessanter Ansatz.
Die
Gliederung der Gedanken
Euer Fachlehrer wird
in der Anfangsphase von euch eine Gliederung verlangen.
Meine Schüler der ersten Facharbeitsgeneration
haben dies als äußerst belastend empfunden.
Dies hatte mehrere Gründe. Zunächst einmal
waren sie unsicher, weil ihnen der Sinn und Zweck
einer solchen Gliederung noch nicht klar war und sie
sich andererseits darüber klar wurden, dass sie
nun eine Struktur vorzeigen sollten, die sie noch
gar nicht hatten, die sich ja vielleicht erst beim
Schreiben fände.
Nehmt
es als Mahnung oder auch als gut gemeinten Ratschlag:
Ohne Gliederung, die ja bereits vor dem Schreiben
in eurem Kopf entstehen sollte, ist eure Arbeit zum
Scheitern verurteilt.
Eine solche Arbeit
ist ein geordnetes Gedankengebäude und ohne Bauplan
legt auch ein Maurer nicht los. Die Gliederung ist
das Skelett, das Gerippe - und zwischen den knöchernen
Gliederungspunkten kommt dann das Fleisch, die Substanz,
eure Gedanken: die Inhalte der Arbeit.
Nun gut. Genug der
mahnenden schlauen Sprüche. Wie
sollte eine Gliederung nun aussehen?
Einfache wissenschaftliche Arbeiten weisen zunächst
einmal eine grobe Dreiteilung auf, sie bestehen aus
einer Einleitung, einem Hauptteil und einer Schlussbetrachtung.
Ihnen folgen dann noch weitere Kapitel mit Literaturangaben,
Materialanhang usw..
Dies sind die Hauptkapitel,
die weitere Unterkapitel enthalten können. Hier
ein kleines Beispiel - auch um zu
zeigen, wie Kapitel und Unterkapitel durchnummeriert
werden:
1. Einleitung
2. Kerosinsteuer
- ein umweltpolitischer Streitfall
2.1 Das Szenario des globalen Klimwandels
2.2 Der Flugverkehr - ein emissionsreiches Verkehrsmittel
2.2.1 Daten zur Umweltschädlichkeit
2.2.2 Statistiken zum steigenden Flugverkehr
2.3 Subventioniertes Flugzeugbenzin vs. Kerosinsteuer
2.3.1 Positionen der BARIG und des BDI
2.3.2 Positionen des BUND und der BAHN
2.3.3 Konzept der Nachhaltigkeit als Konfliktlösung?
3. Fazit
Welche Inhalte in
welches Kapitel gehören wird im Folgenden geklärt...
Einleitung
- wie soll ich starten?
Die Einleitung erfüllt
mehrere Funktionen:
Zunächst einmal
soll sie eine lesewerbende
Funktion haben. Macht eurem Leser
das Thema schmackhaft. Warum ist es bedeutsam, warum
sollte man sich damit beschäftigen und vor allem:
Warum wolltet ihr
euch mit diesem Thema beschäftigen?
Dabei dürft ihr durchaus das Thema schon etwas
anreißen. Habt keine Sorge, dass ihr euch dann,
wenn ihr ins Eingemachte geht, wiederholt. Es ist
absolut in Ordnung, dass ihr das Thema in der Einleitung
(wenn auch oberflächlich) kurz vorstellt.
Indem ihr schreibt,
was euch selbst an diesem Thema fasziniert, habt ihr
euch eine Brücke zum nächsten Absatz geschaffen:
eurer konkreten Fragestellung,
die ihr dort vorstellen wollt. Ihr schreibt also,
dass ihr das Thema wichtig findet, weil ... und dann
leitet ihr über zu einem besonderen Aspekt, der
eure besondere Aufmerksamkeit gefunden hat und den
ihr in der Arbeit gerne klären wollt.
Wenn
ihr die Frage dargelegt habt, so beschreibt ihr in
einem weiteren Absatz, wie ihr bei der Klärung
der Frage im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 2) vorgehen
wollt. In aller Kürze skizziert
ihr nun euer argumentatives Vorgehen, das durch die
Anordnung der Unterkapitel bestimmt wird. Auf diesem
Wege erklärt ihr die Gliederung eurer Arbeit.
Nehmen wir einmal
das Beispiel
oben (Gliederung):
Ihr würdet also
nun schreiben, dass es euch sinnvoll erscheint, zunächst
einmal einen kurzen Einblick in die Hintergründe
des globalen Klimwandels geben möchtet, um in
einem nächsten Schritt die Rolle des Flugverkehrs
als einen nicht unwesentlichen Klimaschädling
darzulegen. Dabei wollt ihr auf Daten mit Emissionswerten
sowie Zahlen zum drastisch angestiegenen Flugverkehr
zurückgreifen, um zu verdeutlichen, welch besonderer
Handlungsbedarf geboten ist. Im nachfolgenden Unterkapitel
wollt ihr nun mit der Kerosinsteuer eine mögliche
Handlungsoption vorstellen, die jedoch nicht einfach
umzusetzen ist, weil hier ein Konflikt unterschiedlicher
Parteien vorliegt, deren Positionen vorgestellt werden
sollen. Mit dem Konzept der Nachhaltigkeit wollt ihr
dann im Anschluss eine harmonisierende Anschauung
präsentieren, die den Konflikt vielleicht relativiert.
Abschließend merkt ihr dann noch an, dass mit
dem Fazit die gesammelten Fakten zu einer Schlussbetrachtung
samt eigener Stellungnahme zusammengeführt werden
sollen.
An diesem Beispiel
seht ihr auch, dass die Güte der Einleitung sowie
der gesamten Arbeit maßgeblich von den Vorüberlegungen
abhängen, die in die Gliederung einfließen.
Der
runde Bogen
Mit dem runden Bogen
ist eure Argumentationslinie
- beginnend mit der Einleitung, über den Hauptteil,
hin zur Schlussbetrachtung - gemeint. Die Einleitung
können wir nun einmal ausklammern.
Ausklammern können
wir hier auch Facharbeiten, die nicht die Beantwortung
einer Fragestellung verfolgen, sondern stattdessen
einen Überblick anbieten. Eine sinnvolle Anordnung
der Inhalte hängt dort massgeblich vom betrachteten
Gegenstand ab.
Es gibt verschiedene
Möglichkeiten, im Hauptteil einer Arbeit einen
Gedankengang auszubreiten, daher seht meinen Vorschlag
als einen unter anderen denkbaren Wegen, dies zu tun.
Kontextuierung (2.1)
Wie bereits erfahren,
zielt eine konkrete Fragestellung auf den speziellen
Sachaspekt eines übergeordneten Themenbereiches.
Es erscheint mir sinnvoll, selbst bei knappem Platzangebot
(10 Seiten), kurz anzudeuten, um welchen Themenbereich
es sich dabei handelt. Gemäß des Beispieles
oben wäre dies der Themenbereich des globalen
Klimawandels.
Situierung (2.2)
Danach solltet ihr
darstellen, wo eure Fragestellung in diesem Themenbereich
zu verorten ist. Im Sinne einer typischen PoWi-Betrachtung
wären wir im gegebenen Beispiel bei den Verursachern,
d.h. den Klimaschädlingen und der Frage, was
man auf politischer Ebene tun kann. Bevor es aber
zu solchen Lösungsansätzen kommt, solltest
du nun in Unterkapiteln beweisen und belegen, dass
der Flugverkehr wirklich so schädlich ist, wie
du behauptest. Das macht man mit Quellen, Statistiken
und Analysen von Schaubildern.
Konkretisierung (2.3)
Ob "Konkretisierung"
hier ein wirklich guter Begriff ist, darf in Frage
gestellt werden, doch in einem folgenden Unterkapitel
solltest du dich nun - nachdem du den beobachtbaren
Ist-Zustand beschrieben hast, deiner Fragestellung
zuwenden.
Hierbei sei dir aber
zu deinem bisherigen Vorgehen noch etwas verdeutlicht:
Du solltest in den ersten beiden Teilen eine
logische Argumentation vorgenommen
haben:
Du hast (1)
den Klimawandel als ein Phänomen dargestellt,
das gleichsam bedrohlich ist und dringlichst nach
einer Lösung verlangt, d.h. Klimaschädigungen
müssen vermieden werden und dann hast du
(2)
anhand von Fakten bewiesen, dass der Flugverkehr ein
großer Klimaschädiger ist.
Damit sollte nun (3)
deutlich geworden sein - gemäß der logischen
Argumentation - dass der Flugverkehr eingeschränkt
werden muss bzw. besteuert werden muss, damit Geldmittel
zur Linderung der Klimaschäden bereitgestellt
werden können.
Damit bist du bei
deiner Kerosinsteuer und der Frage, warum diese eigentlich
noch nicht eingeführt wurde, obwohl deren Einführung
doch nach deiner Argumentation absolut logisch und
naheliegend ist. Warum dies nicht geschehen ist, erklärst
du nun in den nötigenden folgenden Unterkapiteln.
Die
Schlussbetrachtung
Ich hoffe, dir ist
klar geworden, was mit der logischen Argumentation
gemeint war, denn es ist recht elegant, wenn man diese
in der Schlussbetrachtung noch einmal deutlich niederschreibt
und abschließend das Ergebnis der Betrachtung
präsentiert.
Du greifst also zunächst
die Fragestellung der Einleitung auf, die den Ausgangspunkt
deiner Untersuchung darstellt.
Anschließend
nennst du die logischen Schlussfolgerungen, die sich
aus deinen Betrachtungen ergeben haben und die letztlich
den ausschlaggebend für deine Fragestelllung
waren.
Danach skizzierst
du eine Zusammenfassung dessen, was du zu deiner Fragestellung
zusammengetragen hast.
Und dann musst du
eine Entscheidung treffen, du musst ein Urteil fällen
und dabei deine eigene Haltung preisgeben. Das ist
nicht so einfach, denn wäre es einfach, so hätte
im Vorfeld ja kein Problem bestanden.
Dein Urteil sollte
selbst auch einer Argumentation folgen. Bei gegenläufigen
Positionen - so, wie mit dem Beispiel der Kerosinbesteuerung
vorliegend - ist eine logische Argumentation nicht
immer möglich. Dir stehen aber noch weitere Argumentationsformen
zur Verfügung, die sich eignen, um deiner Arbeit
ein würdiges Ende zu setzen.
Plausible Argumentation:
Argumente sind dann
plausibel, wenn viele Menschen einem Argument prinzipiell
zustimmen können. Nehmen wir ein Beispiel: Du
möchtest einen Freund verteidigen, der sich egoistisch
verhalten hat. Wenn du nun das Argument gebrauchst:
„Jeder ist sich selbst der Nächste.“
Werden dir viele Menschen zustimmen. Du hast zwar
damit nicht das Verhalten deines Freundes gerechtfertigt,
für viele klingt diese Erklärung aber plausibel.
Das funktioniert
auch in einem positiven Fall. Wenn ein Lehrer einen
Schüler, der an seinem eigenen Können zweifelt,
mit dem Sprichwort aufzubauen versucht: „Übung
macht den Meister“, heißt das nicht, dass
man nur Meister werden kann, wenn man viel übt.
Dahinter steckt aber die Erfahrung, die schon viele
Menschen gemacht haben, dass man mit Eifer und Übung
seine Fähigkeiten verbessern kann. Solche plausiblen
Redewendungen erfüllen ihren Zweck, denn sie
überzeugen. Wenn man genauer darüber nachdenkt,
bleibt es natürlich häufig lediglich bei
einer spontanen Zustimmung.
Ethische Argumentation:
Man kann seinen Leser
vor allem dann überzeugen, wenn die eigene Position
ethisch zu rechtfertigen ist. Ethisch bedeutet dabei,
dass das Glück möglichst vieler Menschen
mitbedacht wird. Nehmen wir ein Beispiel:
Schüler A: „Ich
bin für ein Verbot von Süßigkeiten
in der Schule, weil ich diese Sachen sowieso nicht
mag.“
Dieses Argument mag
stimmen und sicherlich ist es ehrlich. Ist es aber
überzeugend, um sich für ein Verbot von
Süßigkeiten auszusprechen? Vergleicht es
mit der Äußerung eines zweiten Schülers:
Schüler B: „Ich
bin für ein Verbot von Süßigkeiten
in der Schule, weil ich der Meinung bin, dass die
Gesundheit möglichst aller Schüler bewahrt
werden sollte. Dieser Schutz kann auch unangenehme
Konsequenzen haben – zum Beispiel das Verbot
von Süßigkeiten".
Schüler
B. beruft sich auf das Wohl aller Schüler und
nennt als Wert den Schutz der Gesundheit. Ein starkes
Argument. Das bedeutet: Ethische Argumente berufen
sich auf anerkannte Wertvorstellungen und Normen wie
beispielsweise die Menschenwürde, die Entscheidungsfreiheit
oder den Schutz der Gesundheit. Wer so argumentiert,
kann davon ausgehen, dass ihm seine Zuhörer eher
zustimmen werden. Denn sie fühlen, dass der Redner,
der ethisch argumentiert, die besten Absichten hat.
Sicherlich könnt
ihr diese Beispiele auch auf den Klimawandel und die
Kerosinsteuer beziehen und eben auch auf viele andere
Urteilsfindungen, vor denen ihr mit eurer Facharbeit
steht.
Ich hoffe, euch
mit dieser zugegeben langen Einlassung ein wenig besser
auf eure Facharbeit vorbereitet zu haben. Möge
sie euch gut von der Hand gehen und gelingen!
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