Vom Elend der Facharbeiten...

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Bewertungsraster einer Facharbeit

...oder von der zentralen Frage zum fertigen Werk

Die Facharbeit, ein Mysterium voller peinigender Hürden. Die erste ist nun bereits in der 11. Klasse fällig - an ein Fach der Wahl angebunden - die zweite folgt in der Jahrgangsstufe 12 - da sind dann erneut 10 Seiten zum Thema Oberstufenpraktikum zu füllen.

Unter dem Motto "Fit für die Oberstufe" soll das 11er-Methodentraining die Grundlagen zu den Techniken legen, die das bisher eher unbekannte wissenschaftliche Arbeiten erfordert. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass auch diese Trainingseinheit noch einige Fragen offen lässt. Vielleicht können wir diese hier anhand anschaulicher Beispiele klären.

Vom Sinn der Facharbeit
Der erste Schritt: Ein Thema finden
Die Gliederung der Gedanken
Einleitung - Wie soll ich starten?
Der Runde Bogen
Die Schlussbetrachtung

 


Vom Sinn der Facharbeit

Die Facharbeit legt den Grundstein zum wissenenschaftlichen Arbeiten, so, wie es an der Universität praktiziert wird. Vereinfacht dargestellt meint wissenschaftliches Arbeiten, dass man sich einem Problem bzw. einer Fragestellung annimmt, die man mit einem eigenen verfassten Schriftwerk, das eine plausible und logische Gedankenführung erkennen lassen soll, versucht zu klären.

Meist ist man mit diesem Versuch nicht allein. Neben euch haben sich schon andere mehr oder weniger kluge Geister mit dieser Frage befasst. Für euch ist das vorteilhaft, denn ihr dürft euch deren Wissen zu eigen machen und eure Arbeit mit ihren Federn schmücken. Es ist, als säßet ihr mit all diesen Geistern zusammen und würdet mit ihnen über die gewählte Fragestellung diskutieren. Ihr könnt ihnen zustimmen oder ihre Meinungen zurückweisen, sie können eure eigenen Gedanken vorwärts bringen oder sie beenden aber eines solltet ihr immer beachten: Ihr müsst das fremde Gedankengut kenntlich machen, auf das ihr euch bezieht. Dies ist ein ganz zentraler Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit.

Ganz unmissverständlich könnte man hier also sagen: Es ist erlaubt, zu klauen oder sagen wir besser, es zu borgen, doch ihr müsst angeben, von wem ihr es habt. Das gilt für euch und eure Facharbeit, wie auch für den Doktoranden der Quantenphysik.

Eure Facharbeit reiht sich folglich ein in den Kontext einer groß angelegten Diskussion über eine Frage, die eine gewisse Bedeutung haben sollte. (Ist die Frage unbedeutend, d.h. sie interessiert im Grunde niemanden oder deren Beantwortung ist allzu naheliegend, so lohnt eine Diskussion schließlich auch nicht) Das Herangehen über eine Fragestellung ist der optimale Weg. Gibt es keine konkrete Frage, so kann die Arbeit auch den Sinn einer kleinen Einführung erfüllen. Die breiter angelegte Frage wäre hier: Was kann man alles zu diesem Thema sagen, um einen Überblick zu schaffen?

Vielleicht mag euch dies nicht so recht einleuchten, doch eure Arbeit hat durchaus eine Bedeutung. Sie ist durch die Querverbindungen, die ihr schafft, ein Teil unserer vernetzten Wissensgesellschaft. Stünde eure Arbeit im Internet und wäre so für alle zugänglich, so würde euch dieser Gedankengang sicher überzeugen.

 

 

Der erste Schritt: Ein Thema finden und Fragen entwickeln

Die Facharbeit verlangt nach einem Thema, das im Lehrplan zu finden ist. Dies mag dem einen ein Grauen sein, für den anderen eine Erleichterung, denn so ist schon einmal ein gewisses Repertoire an Ideen vorgegeben. Der Grauen-Fraktion sei beruhigend gesagt: Es gibt auch in einem wenig attraktiv klingenden Themengebiet bestimmte Inhalte und Fragen, die sich als spannend erweisen können.

[Für die Jahrgangsstufe 12 gilt hier: Es sollte ein Thema sein, das eine geistige Nähe zu eurem Praktikumsplatz und gleichsam einen sozialwissenschaftlichen Bezug hat, d.h. es sollte im weitesten Sinne im Fach PoWi zu verorten sein!]

Ihr solltet euch zu Beginn von eurem Fachlehrer die Inhalte des Lehrplanes geben lassen. Schaut aufmerksam und frei von vorschnellen Urteilen darüber. Vielleicht ergeben sich hier schon Fragen, vielleicht aber auch erst später. Hierzu ein Beispiel:

Im PoWi-Unterricht steht das Thema "Ökonomie und Ökologie" an. Zur Ökologie gehören die Umweltprobleme unserer Zeit und dazu beispielsweise die globalen Klimaveränderungen. Dies ist ein Thema, das gegenwärtig breit diskutiert wird und wie ich oben schon gesagt habe: Wo viel diskutiert wird, da sind offene Fragen von großer Bedeutung. Die werdet ihr wahrscheinlich nicht endgültig klären können aber ihr könnt euren Beitrag zum öffentlichen Diskurs leisten.

Wie schon angedeutet, könnt ihr nun entweder einen groben Abriss über den durch Menschenhand verursachten Klimawandel geben oder aber ihr konzentriert euch auf einen Teilaspekt. Eines müsst ihr euch hier ganz deutlich bewusst machen:

Beim groben Abriss verbieten sich allzu detaillierte Betrachtungen, ihr dürft euch nicht in Kleinkram verlieren, sondern müsst eine Perspektive wahren, die aus einer gewissen Distanz die Oberfläche abtastet. Je höher ihr dabei steht, desto mehr und umfassender und vollständiger nehmt ihr die Dinge war - dafür aber nicht so genau. Die Forderung einer solchen Betrachtung ist die Ganzheit.

Beim Teilaspekt "zoomt" ihr hinein in das Bild. Ihr nehmt nicht mehr das ganze Gebilde wahr, nicht mehr die äußeren Konturen, dafür aber die kleinen Feinheiten im Inneren des Bildes. Das äußere Ganze wird nur angedeutet aber nicht genauer ausgeführt, denn dazu ist der eher geringe Rahmen der Facharbeit mit ihren zehn Seiten nicht geeignet. Die Forderungen einer solchen Betrachtung ist die Genauigkeit.

Wie findet man einen geeigneten Teilaspekt und wie entwickelt man Fragen?

In der Politik, um bei diesem Beispiel zu bleiben, gibt es Probleme, die zu lösen sind. Es gibt also einen Ist-Zustand, einen angestrebten Soll-Zustand und offene Fragen auf dem Weg, der von dem einen zu dem anderen Zustand führt.

Hier fragt man dann nach der Art des Problems, nach den Ursachen und Konsequenzen und immer auch danach, wer an der Ursache beteiligt oder von den Konseqeuenzen betroffen ist.

Man fragt aber auch nach den Akteuren, die es zur Lösung des Problems braucht oder nach denen, die die Lösung des Problems aufgrund ganz eigener Interessen verhindern wollen. "Interessen" ist im Übrigen das nächste wichtige Stichwort: Wer will hier was und warum und welche Macht steht ihm hierzu zur Verfügung?

Kommen wir in diesem Zusammenhang mal zurück zu dem Beispiel:

Da haben wir also den globalen Klimawandel. Eine Triebfeder ist natürlich der Treibhauseffekt. Nicht der natürliche, sondern der, den die Menschen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe vorantreiben. Dies wird zu einem Problem, denn der Treibhauseffekt hat dramatische Auswirkungen auf unser globales Klima und die menschliche Existenz.

Wenn ihr dieses Thema in einem groben Abriss behandeln wollt, so könnt ihr nun den Treibhauseffekt und die Verursacher als Ursache erklären, die Auswirkungen möglichst umfassend darstellen und als Fazit eine Prognose wagen, die ihr mit einer eigenen Haltung verbindet.

Wollt ihr es auf einen Teilaspekt ankommen lassen, so müsst ihr nun in die Materie eintauchen (so, wie ihr es bei der Vorbereitung des groben Abriss natürlich auch müsst) und dann bei einem bestimmten Punkt, der euch interessiert, stoppen.

Ich mache es mal vor. Kommt mal mit! Nun, nehmen wir einmal an, ihr habt euch angelesen, was der Treibhauseffekt ist und welche Faktoren diesen auslösen. Ihr habt gelesen, wer schädliche Treibhausgase ausstößt. Ihr seid dann zu dem Schluss gekommen, dass die Lage bedrohlich ist und dass Handlungsbedarf besteht. Handeln heißt, dass man die Dinge regeln muss. Auf der Internetseite einer Umweltschutzorganisation habt ihr von den klimaschädlichen Auswirkungen des sich stetig ausweitenden Flugverkehrs gelesen und der Frage, warum man Kerosin subventioniert, Billigflieger unterstützt und so das Umweltproblem immer dramatischer wird. Es gibt Befürworter für eine Kerosinbesteuerung. Flugbenzin muss besteuert werden, damit man mit den Einnahmen für die Klimaschäden aufkommen kann. Dennoch ist diese Steuer noch immer nicht erhoben. Hier werdet ihr auf einmal stutzig und fragt euch: Warum eigentlich nicht?

Das könnte eure Frage sein und mit dieser Frage ist die übergeordnete Frage verbunden, so wie es weiter oben von mir angedeutet wurde: Welche Akteure stehen sich hinsichtlich ihrer Interessen bei der Lösung des Klimaproblems, bzw. der hohen klimatischen Belastung durch den gestiegenen Luftverkehr durch eine Kerosinsteuer gegenüber und welche Argumente liefern sie? Das ist ein idealer Aufhänger für eine solche Arbeit und auf jeden Fall ist dies ein interessanter Ansatz.

 

 

Die Gliederung der Gedanken

Euer Fachlehrer wird in der Anfangsphase von euch eine Gliederung verlangen. Meine Schüler der ersten Facharbeitsgeneration haben dies als äußerst belastend empfunden. Dies hatte mehrere Gründe. Zunächst einmal waren sie unsicher, weil ihnen der Sinn und Zweck einer solchen Gliederung noch nicht klar war und sie sich andererseits darüber klar wurden, dass sie nun eine Struktur vorzeigen sollten, die sie noch gar nicht hatten, die sich ja vielleicht erst beim Schreiben fände.

Nehmt es als Mahnung oder auch als gut gemeinten Ratschlag: Ohne Gliederung, die ja bereits vor dem Schreiben in eurem Kopf entstehen sollte, ist eure Arbeit zum Scheitern verurteilt.

Eine solche Arbeit ist ein geordnetes Gedankengebäude und ohne Bauplan legt auch ein Maurer nicht los. Die Gliederung ist das Skelett, das Gerippe - und zwischen den knöchernen Gliederungspunkten kommt dann das Fleisch, die Substanz, eure Gedanken: die Inhalte der Arbeit.

Nun gut. Genug der mahnenden schlauen Sprüche. Wie sollte eine Gliederung nun aussehen? Einfache wissenschaftliche Arbeiten weisen zunächst einmal eine grobe Dreiteilung auf, sie bestehen aus einer Einleitung, einem Hauptteil und einer Schlussbetrachtung. Ihnen folgen dann noch weitere Kapitel mit Literaturangaben, Materialanhang usw..

Dies sind die Hauptkapitel, die weitere Unterkapitel enthalten können. Hier ein kleines Beispiel - auch um zu zeigen, wie Kapitel und Unterkapitel durchnummeriert werden:

1. Einleitung

2. Kerosinsteuer - ein umweltpolitischer Streitfall

2.1 Das Szenario des globalen Klimwandels

2.2 Der Flugverkehr - ein emissionsreiches Verkehrsmittel

2.2.1 Daten zur Umweltschädlichkeit

2.2.2 Statistiken zum steigenden Flugverkehr

2.3 Subventioniertes Flugzeugbenzin vs. Kerosinsteuer

2.3.1 Positionen der BARIG und des BDI

2.3.2 Positionen des BUND und der BAHN

2.3.3 Konzept der Nachhaltigkeit als Konfliktlösung?

3. Fazit

Welche Inhalte in welches Kapitel gehören wird im Folgenden geklärt...

 

 

Einleitung - wie soll ich starten?

Die Einleitung erfüllt mehrere Funktionen:

Zunächst einmal soll sie eine lesewerbende Funktion haben. Macht eurem Leser das Thema schmackhaft. Warum ist es bedeutsam, warum sollte man sich damit beschäftigen und vor allem: Warum wolltet ihr euch mit diesem Thema beschäftigen? Dabei dürft ihr durchaus das Thema schon etwas anreißen. Habt keine Sorge, dass ihr euch dann, wenn ihr ins Eingemachte geht, wiederholt. Es ist absolut in Ordnung, dass ihr das Thema in der Einleitung (wenn auch oberflächlich) kurz vorstellt.

Indem ihr schreibt, was euch selbst an diesem Thema fasziniert, habt ihr euch eine Brücke zum nächsten Absatz geschaffen: eurer konkreten Fragestellung, die ihr dort vorstellen wollt. Ihr schreibt also, dass ihr das Thema wichtig findet, weil ... und dann leitet ihr über zu einem besonderen Aspekt, der eure besondere Aufmerksamkeit gefunden hat und den ihr in der Arbeit gerne klären wollt.

Wenn ihr die Frage dargelegt habt, so beschreibt ihr in einem weiteren Absatz, wie ihr bei der Klärung der Frage im Hauptteil der Arbeit (Kapitel 2) vorgehen wollt. In aller Kürze skizziert ihr nun euer argumentatives Vorgehen, das durch die Anordnung der Unterkapitel bestimmt wird. Auf diesem Wege erklärt ihr die Gliederung eurer Arbeit.

Nehmen wir einmal das Beispiel oben (Gliederung):

Ihr würdet also nun schreiben, dass es euch sinnvoll erscheint, zunächst einmal einen kurzen Einblick in die Hintergründe des globalen Klimwandels geben möchtet, um in einem nächsten Schritt die Rolle des Flugverkehrs als einen nicht unwesentlichen Klimaschädling darzulegen. Dabei wollt ihr auf Daten mit Emissionswerten sowie Zahlen zum drastisch angestiegenen Flugverkehr zurückgreifen, um zu verdeutlichen, welch besonderer Handlungsbedarf geboten ist. Im nachfolgenden Unterkapitel wollt ihr nun mit der Kerosinsteuer eine mögliche Handlungsoption vorstellen, die jedoch nicht einfach umzusetzen ist, weil hier ein Konflikt unterschiedlicher Parteien vorliegt, deren Positionen vorgestellt werden sollen. Mit dem Konzept der Nachhaltigkeit wollt ihr dann im Anschluss eine harmonisierende Anschauung präsentieren, die den Konflikt vielleicht relativiert. Abschließend merkt ihr dann noch an, dass mit dem Fazit die gesammelten Fakten zu einer Schlussbetrachtung samt eigener Stellungnahme zusammengeführt werden sollen.

An diesem Beispiel seht ihr auch, dass die Güte der Einleitung sowie der gesamten Arbeit maßgeblich von den Vorüberlegungen abhängen, die in die Gliederung einfließen.

 

 

Der runde Bogen

Mit dem runden Bogen ist eure Argumentationslinie - beginnend mit der Einleitung, über den Hauptteil, hin zur Schlussbetrachtung - gemeint. Die Einleitung können wir nun einmal ausklammern.

Ausklammern können wir hier auch Facharbeiten, die nicht die Beantwortung einer Fragestellung verfolgen, sondern stattdessen einen Überblick anbieten. Eine sinnvolle Anordnung der Inhalte hängt dort massgeblich vom betrachteten Gegenstand ab.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, im Hauptteil einer Arbeit einen Gedankengang auszubreiten, daher seht meinen Vorschlag als einen unter anderen denkbaren Wegen, dies zu tun.

Kontextuierung (2.1)

Wie bereits erfahren, zielt eine konkrete Fragestellung auf den speziellen Sachaspekt eines übergeordneten Themenbereiches. Es erscheint mir sinnvoll, selbst bei knappem Platzangebot (10 Seiten), kurz anzudeuten, um welchen Themenbereich es sich dabei handelt. Gemäß des Beispieles oben wäre dies der Themenbereich des globalen Klimawandels.

Situierung (2.2)

Danach solltet ihr darstellen, wo eure Fragestellung in diesem Themenbereich zu verorten ist. Im Sinne einer typischen PoWi-Betrachtung wären wir im gegebenen Beispiel bei den Verursachern, d.h. den Klimaschädlingen und der Frage, was man auf politischer Ebene tun kann. Bevor es aber zu solchen Lösungsansätzen kommt, solltest du nun in Unterkapiteln beweisen und belegen, dass der Flugverkehr wirklich so schädlich ist, wie du behauptest. Das macht man mit Quellen, Statistiken und Analysen von Schaubildern.

Konkretisierung (2.3)

Ob "Konkretisierung" hier ein wirklich guter Begriff ist, darf in Frage gestellt werden, doch in einem folgenden Unterkapitel solltest du dich nun - nachdem du den beobachtbaren Ist-Zustand beschrieben hast, deiner Fragestellung zuwenden.

Hierbei sei dir aber zu deinem bisherigen Vorgehen noch etwas verdeutlicht: Du solltest in den ersten beiden Teilen eine logische Argumentation vorgenommen haben:

Du hast (1) den Klimawandel als ein Phänomen dargestellt, das gleichsam bedrohlich ist und dringlichst nach einer Lösung verlangt, d.h. Klimaschädigungen müssen vermieden werden und dann hast du

(2) anhand von Fakten bewiesen, dass der Flugverkehr ein großer Klimaschädiger ist.

Damit sollte nun (3) deutlich geworden sein - gemäß der logischen Argumentation - dass der Flugverkehr eingeschränkt werden muss bzw. besteuert werden muss, damit Geldmittel zur Linderung der Klimaschäden bereitgestellt werden können.

Damit bist du bei deiner Kerosinsteuer und der Frage, warum diese eigentlich noch nicht eingeführt wurde, obwohl deren Einführung doch nach deiner Argumentation absolut logisch und naheliegend ist. Warum dies nicht geschehen ist, erklärst du nun in den nötigenden folgenden Unterkapiteln.

 

 

Die Schlussbetrachtung

Ich hoffe, dir ist klar geworden, was mit der logischen Argumentation gemeint war, denn es ist recht elegant, wenn man diese in der Schlussbetrachtung noch einmal deutlich niederschreibt und abschließend das Ergebnis der Betrachtung präsentiert.

Du greifst also zunächst die Fragestellung der Einleitung auf, die den Ausgangspunkt deiner Untersuchung darstellt.

Anschließend nennst du die logischen Schlussfolgerungen, die sich aus deinen Betrachtungen ergeben haben und die letztlich den ausschlaggebend für deine Fragestelllung waren.

Danach skizzierst du eine Zusammenfassung dessen, was du zu deiner Fragestellung zusammengetragen hast.

Und dann musst du eine Entscheidung treffen, du musst ein Urteil fällen und dabei deine eigene Haltung preisgeben. Das ist nicht so einfach, denn wäre es einfach, so hätte im Vorfeld ja kein Problem bestanden.

Dein Urteil sollte selbst auch einer Argumentation folgen. Bei gegenläufigen Positionen - so, wie mit dem Beispiel der Kerosinbesteuerung vorliegend - ist eine logische Argumentation nicht immer möglich. Dir stehen aber noch weitere Argumentationsformen zur Verfügung, die sich eignen, um deiner Arbeit ein würdiges Ende zu setzen.

Plausible Argumentation:

Argumente sind dann plausibel, wenn viele Menschen einem Argument prinzipiell zustimmen können. Nehmen wir ein Beispiel: Du möchtest einen Freund verteidigen, der sich egoistisch verhalten hat. Wenn du nun das Argument gebrauchst: „Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Werden dir viele Menschen zustimmen. Du hast zwar damit nicht das Verhalten deines Freundes gerechtfertigt, für viele klingt diese Erklärung aber plausibel.

Das funktioniert auch in einem positiven Fall. Wenn ein Lehrer einen Schüler, der an seinem eigenen Können zweifelt, mit dem Sprichwort aufzubauen versucht: „Übung macht den Meister“, heißt das nicht, dass man nur Meister werden kann, wenn man viel übt. Dahinter steckt aber die Erfahrung, die schon viele Menschen gemacht haben, dass man mit Eifer und Übung seine Fähigkeiten verbessern kann. Solche plausiblen Redewendungen erfüllen ihren Zweck, denn sie überzeugen. Wenn man genauer darüber nachdenkt, bleibt es natürlich häufig lediglich bei einer spontanen Zustimmung.

Ethische Argumentation:

Man kann seinen Leser vor allem dann überzeugen, wenn die eigene Position ethisch zu rechtfertigen ist. Ethisch bedeutet dabei, dass das Glück möglichst vieler Menschen mitbedacht wird. Nehmen wir ein Beispiel:

Schüler A: „Ich bin für ein Verbot von Süßigkeiten in der Schule, weil ich diese Sachen sowieso nicht mag.“

Dieses Argument mag stimmen und sicherlich ist es ehrlich. Ist es aber überzeugend, um sich für ein Verbot von Süßigkeiten auszusprechen? Vergleicht es mit der Äußerung eines zweiten Schülers:

Schüler B: „Ich bin für ein Verbot von Süßigkeiten in der Schule, weil ich der Meinung bin, dass die Gesundheit möglichst aller Schüler bewahrt werden sollte. Dieser Schutz kann auch unangenehme Konsequenzen haben – zum Beispiel das Verbot von Süßigkeiten".

Schüler B. beruft sich auf das Wohl aller Schüler und nennt als Wert den Schutz der Gesundheit. Ein starkes Argument. Das bedeutet: Ethische Argumente berufen sich auf anerkannte Wertvorstellungen und Normen wie beispielsweise die Menschenwürde, die Entscheidungsfreiheit oder den Schutz der Gesundheit. Wer so argumentiert, kann davon ausgehen, dass ihm seine Zuhörer eher zustimmen werden. Denn sie fühlen, dass der Redner, der ethisch argumentiert, die besten Absichten hat.

 

 

Sicherlich könnt ihr diese Beispiele auch auf den Klimawandel und die Kerosinsteuer beziehen und eben auch auf viele andere Urteilsfindungen, vor denen ihr mit eurer Facharbeit steht.

Ich hoffe, euch mit dieser zugegeben langen Einlassung ein wenig besser auf eure Facharbeit vorbereitet zu haben. Möge sie euch gut von der Hand gehen und gelingen!